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Dec. 18th, 2011

Zimt zum Hören - Lyrik von Elin Rachnev im Netz

Zimt liegt dieser Tage ja quasi in der Weihnachtsluft ... "Zimt" heißt auch ein Gedichtzyklus von Elin Rachnev, bulgarischer Dichter und Dramaturg, der es mir auf Anhieb angetan hat (der Zyklus, nicht der Dichter ;)). Kann, darf, will heute noch klassische Liebeslyrik geschrieben und gelesen werden? Mit Zimt-Atem und silber schimmernden Tränen? Theoretisch würde ich das eher mit nein beantworten, im Falle Rachnevs aber mit einem mich selbst verblüffenden ja. Entsprechend habe ich mich ein bisschen ans experimentierende Übersetzen gegeben. Davon ein - sehr vorläufiges - Ergebnis:

ELIN RACHNEV
 
ZIMT
 
warum hast du dich betören lassen vom nektar der reime und
nachmittäglichen träumereien, dass er wie gaudi richte deine
schultern, wie sainte-chapelle das unvollendete, dass er deine
lippen lehre an den sorbonnen, dein lächeln aufschlage in den anthologien
dass er der hacker deines früheren lebens sei, dein sender mtv
 
wenn dir nach nichts ist, fühlt es sich nicht ein wenig unnütz
an, depeches einzige muse zu sein, und dass der zimt in deinem
atem anlass zu performances sei, dass der CV der Welt auf deiner
haut liegt, deine dessous sich über die kunst erheben … über die
wissenschaft, dass deine träne das ende der kunst deklariert, aber
 
was bedeutet es dir sag mir, dass ein elin sich entfernte von
allen lebenden, claquer deiner wimpern, doch auch des todes,
sich betrinkend mit sand, piaf und all den lieben. Nicht wissend
wo, nicht wer er ist … Warum glaubst du an porzellanene reime,
warum hast du ihn nicht sterben lassen in ihnen, nicht verlöschen,
 
vergehen lassen. Sag es mir, ich bitte dich, sag es mir…


Das Original ist natürlich vieelll schöner:

КАНЕЛА

защо остави се да бъдеш упоена в нектар от рими и
следобедни копнежи, по гауди да сравнява раменете
ти, по сент шапел несбъднатото, да преподава устните
ти по сорбоните, усмивката ти да отгръща в антологии,
да бъде хакер на живота ти предишен, да бъде vh.1

когато ти е нищо, не се ли чувстваш малко непотребна,
да бъдеш на депеш единствената муза, канелата в дъха ти
да е повод за пърформанси, сv-то на света да е за твойта
кожа, бельото ти над арта да издига... над науката, да
обяви сълзата ти за края на изкуството, но все пак за

какво ти е кажи ми, един елин отместил се встрани от
всички живи, клакьор на миглите ти, но и на смъртта,
напиващ се със санд, пиаф и други мили. Той нито знай
къде е, нито кой е ...Защо повярва в порцелановите рими,
защо не го остави вътре в тях да мре, да гаснe там, да

да гине. Кажи ми, моля те, кажи ми…

Weitere Texte von Rachnev und aus "Zimt" gibt es auf der - hier im Blog ja schon besprochenen - Website Liternet.bg. Und einen Auszug kann man sich, gelesen vom Autor, auch auf Dictum anhören. Letztere Site, mit dem programmatischen Titel "Die Literatur hat auch eine Stimme" sei im übrigen empfohlen für jeden, der sich bulgarische Literatur - und Kritik - gerne anhören mag.

Jul. 4th, 2011

LiterNet - Portal, Bibliothek und Markt für bulgarische Bücher

Bulgarische e-books bietet auch die Literatur-Website LiterNet an, allerdings ausschließlich im Web-Format und ohne Möglichkeit zum Download oder der Lektüre an einem elektronischen Lesegerät. Dafür ist die Anzahl der zur Verfügung stehenden Texte mit rund 50.000 Werken von circa 2.700 Autorinnen und Autoren ungleich größer. Und ihre Nutzung kostenlos.



Der Schwerpunkt liegt im Bereich der Belletristik. Neben bulgarischen Autor/innen wird auch das Werk ausländischer Literat/innen in Übersetzungen präsentiert, jeweils mit Kurz-Biographie, ausgewählten Werken im Original und/oder Übertragung sowie ergänzt durch literaturkritische Sekundärliteratur. Zu den aus dem Russischen übersetzten Lyrikern gehört zu meiner persönlichen Freude der Neo-Avantgardist und Post-Dadaist Sergej Birjukov, dessen Texte ich teils selbst ins Deutsche übertragen habe. Die bulgarischen Versionen stammen von Rumen Šomov. Auch Sound-Poetry verlangt ja interessanterweise nach Übersetzung ;). Šomov selbst ist als Dramatiker, Lyriker und Übersetzer auf LiterNet präsent. Ich selber habe leider noch nichts von ihm gelesen, finde allerdings bereits den Titel seiner Tragikomödie „Der schöne Flavio Briatore in der Krise“ ziemlich verlockend.

Die Palette der auf LiterNet angebotenen Texte reicht von Klassikern der bulgarischen Literatur wie dem revolutionären Dichter Christo Botev über den modernen Mystifikator Penčo Slavejkov bis hin zu den zeitgenössischen Postmodernisten wie Ani Ilkov oder Georgi Gospodinov. Auch die Literatinnen sind prominent vertreten, von der Muse der Moderne, Elisaveta Bagrjana, bis zur „einsamen Spielerin“ im Hier und Heute, Mirela Ivanova („samotna igra“ = „einsames Spiel“, so der Titel einer ihrer Gedichtbände).

Bezüglich der Auswahl der Autor/innen und der Kriterien für die Publikation der Texte gab es unlängst allerdings durchaus ein wenig Knatsch. Erstens zahlen die Autor/innen selbst für die Publikation solcher Werke, die nicht als Einzel-Texte auf der Website platziert sondern als e-books mit ISBN-Nummer veröffentlicht werden. Und zweitens hatte der Chef-Redakteur von LiterNet, Georgi Čorbanov, andere literarische Ressourcen des bulgarischen Internet dadurch verprellt, dass er diese als „Selbstpublikationsforen’ bezeichnete. Und damit aus deren Sicht diskredierte. Die sich im Anschluss entfaltenden Diskussion um die Verwechslung von

Amateur und Profi, Graphomanie und echtem Werk, Komplex und Normalität, Aggression und Aufrichtigkeit, Kritiklosigkeit und Selbstkritik, Selbstlob und nüchterner Selbsteinschätzung, freundschaftlichem Schulterklopfen und Anerkennung

аматьорското с професионалното, графоманското с ценностното, комплексарското с нормалното, агресията с добронамереността, безкритичността със самокритичността, самопохвалването с трезвата самопреценка, приятелското потупване с признанието..

kommt mir doch sehr bekannt vor – (nicht nur) aus dem RuNet, wo die Beschuldigung der Graphomanie symbolischer Höchststrafe gleichkommt.

Neben der nach Autor/innen-Namen geordneten Bibliothek weist das „Spezial-Portal“ („specializiran portal) LiterNet noch eine Reihe von anderen Projekten und Rubriken auf, so die gleichnamige elektronische Literaturzeitschrift, die monatlich erscheint. Besonders gut gefällt mir der elektronische „Bücher-Markt“ („knižen pazar“), auf dem ‚überflüssige’ und ‚ausgelesen’ Bücher verkauft, aber auch an andere Leser/innen verschenkt werden können. Ein bisschen irritiert auf diesem digitalen Marktplatz allerdings die zu prominent platzierte Schuh-Reklame, die mir hartnäckig die modische Entgleisung der crocs anbietet. Und das auch noch in Rosa.

H.S.

Jun. 11th, 2011

Biblio.bg - Bulgarische e-books

Lange gesucht, endlich fündig geworden: bulgarische e-books! Wimmelt es im russischen Internet nur so vor - legalen oder illegalen - Angeboten an elektronischer Literatur, war die Suche im Bg.net doch etwas mühsam. Mit Biblio.bg habe ich jetzt jedoch eine Website gefunden, die bulgarische Bücher im e-book-Format anbietet. Natürlich nicht nur bulgarische, sondern auch ausländische Literatur in Übersetzung, die mich jedoch naturgemäß weniger interessiert.



Das Angebot von Biblio.bg ist noch ziemlich klein und wirkt, auf den ersten Blick, recht willkürlich zusammengestellt. Neben den üblichen Verdächtigen von Liebes- und Kriminalromanen, psychologischer und esoterischer Literatur finden sich aber solide Ausgaben bulgarischer Klassiker, vom Dichter-Revolutionär Botev bis zum symbolistischen Dekadent Javorov (die sogar umsonst downgeloadet werden können!). Und einzelne Bücher interessanter zeitgenössischer Autoren. Leseproben werden kostenlos angeboten, was zum 'Online-Stöbern' nach neuen Titeln und Namen einlädt.

Meine heutige Entdeckung: das 2010 erschienene Buch des Publizisten, Szenaristen und Politikers Ljuben Dilev Sohn mit dem programmatischen Titel "Facebuki" (Verlag Entuziast, 2010). Ein Jahr seines Lebens lässt Dilev in Form seiner Postings auf der Site des sozialen Netzwerks Revue passieren. Nach den  Buch-Blogs wird nun also Facebook literarisch geadelt. Mir haben die mal anekdotisch mal sentimental gehalteten Miniaturen Dilevs gefallen. Kleine Kostprobe:

26 Juni 2009

Von meinen Freunden habe ich erfahren, dass die Roma aus Peschtera praktisch die Erfinder des Triathlon sind. Im leichten Geländelauf erreichen sie das städtische Schwimmbad, wo sie ein bisschen krawlen, um dann mit dem Rad zurückzufahren. Diese und andere Entdeckungen machen die Welt einen besseren und gesünderen Ort zum Leben.

26 юни 2009

Научих от приятели, че роми от Пещера са практическите откриватели на триатлона. Отиват с лек крос до градския басейн, плуват по малко, а се връщат на колело. Тези и други открития правят света по-добро и по-здравословно място за живеене.

Das Buch werd' ich mir für acht Leva, umgerechnet 4 Euro, kaufen. Und den "Like-Button" auf Dilevs Facebook-Profil habe ich auch schon gedrückt.

HS

Apr. 7th, 2011

Elektronnaja bukva - Erster russischer Literaturwettbewerb für elektronische Bücher

„Noch vor zehn Jahren hätte man für den Gebrauch des Wortes ‚ebukʻ [ebook] eins aufs Maul gekriegt“ („Лет десять назад за сово [sic] «ебук» наверное били по губам“), vermutet User TDz angesichts der anstößigen Nähe des neurussischen Terminus zum einem altbekannten, auch im RuNet weit verbreiteten obszönen Fluch. Heute hat sich der Begriff, wie so viele Anglizismen, in der russischen Umgangssprache etabliert. Gleiches gilt für die Lektüre mittels elektronischer Lesegeräte, die in der Moskauer Metro, dem Mekka der alltäglichen Kurzlektüre, immer öfter gesichtet werden können.     

LitRes ist einer der Anbieter auf dem sich nun neu etablierenden Markt für ebooks. Und hat zwecks Popularisierung dieses neuen Leseformats im Jahr 2010 mit Elektronnaja bukva [Elektronischer Buchstabe] gleichfalls den „ersten russischen Literaturwettbewerb für elektronische Bücher“ („первая в России литературная премия в области электронных книг“) ausgeschrieben.
 


Prämiert wird u.a. in den folgenden Sparten (in Klammern sind einige Gewinner des Jahres 2010 genannt, „Laureaty“): „Bestseller des Jahres“ (Manöver der Erfolglosen [Manevry neudačnikov], Roman Zlotnikov und Sergej Musanif), „Populärster Autor“ (Roman Zlotnikov), „Neuentdeckung des Jahres“ (Anton Granovskij), „Aufregendste Liebesgeschichte des Jahres“, „Populärstes Werk im Bereich Phantasy“ (Roman Zlotnikov), „Populärstes Werk im Bereich Krimi“, „Objektivste Berichterstattung im Bereich e-book“, „Reader des Jahres“, „Aktivster Verlag im Bereich ebook“. Die letzten drei Kategorien werden durch eine Experten-Jury entschieden, alle anderen Prämierungen werden auf Grundlage der Verkaufsstatistiken von LitRes vorgenommen (Argumenty i fakty):

Eines der Ziele des Wettbewerbs ist die Stärkung der Transparenz auf dem Markt für elektronische Bücher für seine aktiven Teilnehmer – die Autoren, Verleger und Leser. In der Mehrzahl aller Nominierungen zielen wir auf Objektivität, d.h. wir treffen unsere Wahl auf der Grundlage der Verkaufszahlen von www.LitRes.ru und unseres Netzwerks von Partnern. In der Summe umfasst dieses Netzwerk gemeinsam mit der Firma LitRes mehr als 80 Prozent des Markts für die Verbreitung von lizensierten elektronischen Büchern, was ausreichend genaue Schlussfolgerungen ermöglicht.

Одной из целей премии является увеличение прозрачности рынка электронной книги для его активных участников – авторов, издателей и читателей. В большинстве номинаций мы претендуем на объективность, т.к. делаем свой выбор на основе данных о продажах книг на сайте www.LitRes.ru и через систему наших партнеров. Суммарно - эта партнерская сеть вместе с сайтом компании «ЛитРес» охватывает более 80% рынка лицензионного распространения электронных книг, чего достаточно для точных выводов.

Damit findet eine nicht unproblematische Verschiebung in der Bewertung von Literatur von qualitativen zu quantitativen Parametern statt. Die Verkaufszahlen eines privaten, kommerziellen Internet-Buchhändlers und seines Partner-Netzwerks werden verallgemeinert zu Aussagen von übergreifendem literaturpolitischem Anspruch. Während die Experten-Jury bei der Bewertung technischer Abspielgeräte befragt wird, werden die literarischen Qualitäten der Werke auf eine statistische Größe reduziert, die als Ausweis von „Objektivität“ interpretiert wird. Auch stellt sich die Frage, ob die programmatisch intendierte Transparenz dieses – an und für sich interessanten Wettbewerbs – erreicht werden kann, wenn der Initiator und Sponsor ausschließlich die hauseigenen Aktivitäten und Autoren zur Bemessungsgrundlage für eine gesamtrussisch positionierte Ausschreibung nimmt. Die Veranstaltung droht damit zu einer lediglich maskierten PR-Aktion für die eigene privatwirtschaftliche Tätigkeit zu werden.

H.S.

Jan. 15th, 2011

Schenken, kaufen, abonnieren. Russische e-books

Vielleicht war es ein kleines Dankeschön für die Weihnachtsgeschenke, die ich meinen Lieblingsautoren gemacht habe, es lag jedenfalls unter meinem Tannenbaum ein silberglänzender e-book-Reader der Marke Sony PRS-600 Touch Edition. Schon länger wollte ich mich der elektronischen Lektüre widmen, war aber immer zu faul, mich um den Kauf eines entsprechenden Geräts zu kümmern. Ausnahmsweise wurde meine Faulheit in diesem Punkt also belohnt.

Nun gilt es also den russischen e-book-Markt zu erschließen. Das erste Exemplar für die digitale Bibliothek ist erworben - die neue Erzählung von Evgenij Griškovec "A...."  (Ja, genau das Buch, für das ich auf Kroogi.ru schon gespendet habe. Aus Vergleichsgründen und der wissenschaftlichen Neugier halber). Erworben habe ich das Buch (den Text? die Datei?) jetzt bei LitRes.ru, dem nach eigenen Angaben größten "Distributor" für elektronische Bücher in russischer Sprache.



Problemlos registriert, mit Kreditkarte bezahlt, im Format .epub runtergeladen, schon auf den Reader überspielt, geöffnet und angelesen. Alles geklappt. Ich bin froh. Gekostet hat mich der Spaß knappe 3 Euro, was erstaunlicherweise noch ein bisschen unter der geforderten Mindestspende für den gleichen Text auf Kroogi liegt. So richtig habe ich den Unterschied zwischen den Geschäftsmodellen wohl noch nicht verstanden.

Vorbeigeschaut habe ich im übrigen auch bei den (ehemaligen) russischen Piraten in Equador, bei der Bibliothek Librusek, deren Bibliothekar und Server sich außerhalb der russischen Landesgrenzen - und Copyright-Regelungen - befinden. Hier gibt's die Griškovecsche Novelle kostenfrei zur Lektüre am Bildschirm (wie bei LitRes im übrigen auch).

Wer sich das Buch downloaden will, muss aber gleichfalls zahlen. Allerdings ist hier das Modell ein anderes: Wer will, zahlt in Sachleistungen, sprich: stellt selber e-books zur Verfügung oder liest bereits vorhandene Texte Korrektur. Wer der Bibliothek keinen "aktiven Nutzen" bringen mag oder kann, zahlt einen Abonnementspreis für wahlweise eine Woche, einen Monat oder ein Jahr. Der Preis für eine "Monatskarte" beläuft sich aktuell auf circa 10 Dollar. Wer viel liest respektive downloadet, steht sich da finanziell besser. Wenn auch nach wie vor am Rande der Legalität. Die streben der ehemalige Piratenservice und sein 'Kapitän' Il'ja Larin nach zahlreichen DoS-Attacken und juristischen Auseinandersetzungen allerdings durchaus an. Ungeachtet ihres nach wie vor schreckenerregenden Images sind auch die russischen Copyright-Piraten nicht mehr das, was sie mal waren.

H.S.

Dec. 22nd, 2010

Weihnachtsgeschenke für Lieblingsautoren

Logo Kroogi

Dass Schenken nicht immer einfach ist,
in der Vorweihnachtszeit ist das weniger eine theoretische Frage der digitalen Geschenkökonomie als vielmehr praktische Alltagserfahrung. Zumal die aufgeklärte Userin heuer nicht nur ihre Lieben mit Büchern und Musik beschenkt, sondern auch ihren Lieblingsautor/innen, Musiker/innen oder Künstler/innen im Netz ihre Dankbarkeit für kostenfrei zur Verfügung gestellten Content erweisen möchte. Also schnell mal eine Runde flattern und den Kulturschaffenden ein kleines Weihnachtsdankeschön zukommen lassen. Wer speziell russische Autor/innen und Musiker/innen belohnen will, kann dies bei Kroogi.ru (von russ. „krug“ = „Kreis“) tun. Kroogi, so die Initiatoren um Miroslav Sarbaev, ist

„ein Instrument der Zusammenarbeit zwischen dem Publikum und den Kreativen. Hier kann sich jeder kostenfrei mit dem Schaffen anderer Nutzer bekannt machen, seinen Content mit anderen teilen und dafür über das System der freiwilligen Beiträge Geld erhalten.

Kroogi - инструмент взамодействия публики и творцов. Здесь каждый может бесплатно знакомиться с творчеством других пользователей, а также делиться своим контентом и получать за это деньги через систему добровольных взносов.“

Gegründet wurde Kroogi im Jahr 2008, offensichtlich inspiriert durch vergleichbare Initiativen des Mikro-Sponsorings weltweit. Immer wieder genannt wird in diesem Zusammenhang die britische Rockgruppe Radiohead, die ihr letztes Album im Internet zum freien Zugriff bei freiwilliger Bezahlung anbot. Für Russland machten die Kult-Rocker der Gruppe Aquarium um Boris Grebenščikov die Vorreiter im Bereich des digitalen Direktvertriebs und veröffentlichten hier u.a. ihre Platte „Das Weiße Pferd“ („Lošad’ Belaja“).

Zu denjenigen russischen Kulturschaffenden, die Kroogi intensiv nutzen, gehört auch der Dramaturg, Literat und Blogger Evgenij Griškovec. Sein aktueller Song „Männer an den Monitoren“ („Muščiny u monitorov“, gemeinsam mit der Band Bigudi), in dem die rauen Männerhände an Stelle heldenhafter Outdoor-Aktivitäten nur in die Tastatur greifen, ist mir zwar keinen Rubel wert. Für seine neue Erzählung „A_ _ _ _ _ a“ will ich aber gerne die geforderte Mindestspende von 3 $ entrichten.

Frohe Weihnachten!

H.S.

Dec. 20th, 2010

Runet 2010: Itogi goda

 
A few minutes ago, a round table on the theme 'Runet 2010: itogi goda" concluded in the Gosduma. Its objectives were not only to map the patterns and tendencies of internet use in 2010 but also share observations about what can be expected in 2011. You can read more about it here. There was an active twitter feed (thanks to @ekozlov, @inna_smbatyan and others) from the conference, which yielded the following facts.

____

in 2010, 46 500 000 users logged onto Runet at least once.

40% of users log on at least once a month. 27% log on every day.

59% of Petersburg's residents use the internet, and 58% of Moscow's.

Yandex is the leading search engine in Russia (65.3%); followed by Google.

There are currently 30 000 000 blogs in Russia, of which only 10% are active (updated at least once a month).

Runet turnover is 150 000 000 rubles.

9.3% of advertising revenues in Russia stem from the internet.

Iakutiia is one of the most wired regions of Russia.

Tver has 15% internet penetration.

Russia has the highest number of internet users in Europe but has low internet penetration.

8% of Runet users surf/log on via their mobile phones.

20 000 000 users visit VKontakte every day. A year ago the figure was 10 000 000. 

The marked 2010 tendency : the user does not want to create content but wants to be there where content already has been created. 

in 2010, in Russia, the internet has become a force to reckon with.

Costs of internet service will rise 40-70% next year.

The question of the upcoming decade - the internet versus television, which will prevail? Many observers say the latter because it has more objective information.

Aleksei Chadaev says the change in the main medium of information is literally "happening in front of our eyes"

M. Osin of Ozon.ru says the use of the mobile for internet services, including commercial transactions, is increasing.

Vlad Tsyplukhin, the press director of VKontakte, says they work closely with law enforcement to address the problem of piracy. 

Anton Merkurov says the greatest accomplishment of 2010 is that mass media no longer shy away from using Twitter as a source of information.

Internet became a battlefield in 2010. Stories/information flowed from the blogosphere into the offline world: the Khimki forest preservation agitation and many others.

____

No doubt more material will be available about the findings of the round table over the next few days. So watch this space.


S.R



Sep. 23rd, 2010

Die Schwierigkeiten der Geschenkökonomie auf Russisch

Mikro-Mäzenatentum ist das virtuelle Gebot der Stunde - schenke Deinem Autor, Musiker, Künstler, was Dir seine im Internet - zumeist kostenfrei - konsumierten Werke wert sind. Mit dem "social-payment-service" Flattr ist dieses Prinzip einer sozusagen nachgelagerten Bezahlung in den vergangenen Monaten populär geworden. Als Ausdruck der Geschenkökonomie des Netzes, die dabei doch die finanziellen Bedürfnisse der Kreativen nicht ignoriert. Ob es sich dabei um die ultimative Antwort auf die Krise des Copyrights und der üblichen Vergütungssysteme im Bereich der Kultur handelt, mag erst einmal dahin gestellt bleiben. Ich finde das Prinzip schon länger so sympathisch wie interessant und habe mir gerade endlich einen Account bei Flattr angelegt.

Der russische soziale Netzwerk Imhonet, auf dem Nutzer/innen sich gegenseitig Bücher, Filme und Musik empfehlen, hat nun gerade einen großangelegten Versuch gestartet, das Prinzip des Mikro-Mäzenatentums für die russische Literatur und Journalistik zu implementieren. Bekanntlicherweise ist der Textreichtum im Runet besonders groß. Viele Texte, durchaus auch zeitgenössischer Autor/innen, sind kostenfrei zu lesen oder gar downzuloaden. Erklärt wird dieser - für die Leserin höchst erfreuliche Umstand - zumeist durch eine Mischung von ökonomischen und kulturellen Argumenten: den Hang zum Piratentum einerseits und die kollektivistisch motivierte Ablehnung individuellen geistigen Eigentums andererseits.

Durchaus auch im Kampf gegen das grassierende Piratentum (auch literarischer Texte) will Imhonet nun mit seinem "Leserpreis" (Chitatelskaja premija) die Autor/innen mit Aufmerksamkeit, Liebe und Geld ihrer Fans direkt beglücken. Wie funktioniert's? Die Nutzer/innen von Imhonet registrieren sich für die Teilnahme, erhalten ein Guthaben von 50 Rubeln, das sie selbst beliebig aufstocken können. Dieses Guthaben verteilen sie dann nach ihren persönlichen Vorlieben unter einer Besten-Liste von Literat/innen und Journalist/innen, die von einer Expertengruppe, u.a. der Instituts für russische Sprache der Akademie der Wissenschaften, zusammengestellt wurde. Rollen kann der Leser-Rubel noch bis zum 24. Oktober.

Schon jetzt jedoch liegen erste Ratings vor. So wird die Liste der liebsten Literat/innen aktuell von dem in der Schweiz lebenden Boris Michail Shishkin angeführt (41.000 Rubel), gefolgt von Zachar Prilepin (32.000 Rubel), Julija Latynina (24.000), Dina Rubina (21.000). Die Statistik weist auch aus, wie viel des gestifteten Geldes jeweils aus dem Fond von Imhonet stammt, und wie viel die Leser/innen selbst drauf gelegt haben. Und da ist gar nicht wenig! Was den Erfolg des Experiments erst einmal zu belegen scheint.

Dennoch sind nicht alle glücklich, die Geld bekommen, so etwa der Autor Aleksej Slapovskij. Er möchte nicht ungefragt Geld für seine Werke geschenkt, wie ein "Straßenmusiker" (der den doch etwas abfälligen Vergleich eigentlich ja gar nicht verdient). Und will seine Teilnahme an der "Leser-Prämie" gerne beenden. Das aber ist in den Regularien gar nicht vorgesehen! Der pure Bolschewismus, empört sich der gegen seinen Willen Beschenkte. Und hinterfragt auch die Lauterkeit der Motivation der Plattform Imhonet und ihrer Unterstützer, denen es weniger um die Autor/innen als um die Erprobung eines letztlich doch merkantilen Zwecken dienenden Experiments gehe. Fazit: auch Schenken ist nicht immer einfach.

Aug. 25th, 2010

Moldova Online: An interview with Victor Diaconu

 
In this interview for Russian Cyberspace, set up with the help of Sunil Abraham (Executive Director at the Centre for Internet and Society in Bangalore, India), computer software professional Victor Diaconu explains the nature of internet use, state control and the development of blogging and social media platforms in Moldova. Victor works at Computaris in Chisinau. He is Moldova educated, and has travelled to several western countries (including lengthy stays to US, UK) to learn about and understand what there is to be done in Moldova. 
 
SR: After the 2009 elections, there was some talk of reform in Moldova and greater transparency, but now one also hears contradictory reports of increasing authoritarian tendencies.  Is this ambivalence evident in the way the internet is regulated and used here? 
 
VD: I would not say the tendencies are authoritarian. The constitution says that the President should be voted in by a majority of 61 out of 101 members of the Parliament. If not, Parliament should be dissolved and re-elected. Well, this should happen twice a year at the most, and as such, after a second failed attempt to vote the President the authority of the Parliament and Government is somewhat questionable. The current Parliament has tried to change the rules of voting in the President - to make it by popular vote, for instance, but this is met with resistance from the Communist Party. 
 
As to transparency - I would say it has improved. Though, one should not expect too many changes from a Government with questionable authority and with so many systemic flaws inherited from the previous government. At the moment we've got a coalition government. As such, there are frictions and these are indeed visible. This gives a sense of comfort and truthfulness since it is normal to have frictions in any human endeavour. While the communist party was ruling - everything was "nice and dandy" both in media and in political affairs and one could not get anything but "fake" - fake news, fake results, fake improvements.
 
Internet control and filtering do not happen. In fact, we did have a "small revolt" on April 7, 2009, when it seemed the communist party had tried to steal the vote for the parliament. At that moment a few .md sites were blocked by the national Telecom operator, but most other sites were still available. In fact, news about the event was best available on twitter (might still be available under "pman" tags). There also were a few attempts to stifle free speech when authorities requested names/IP addresses of commenters on some forums. However, this is no longer conceivable ... 

SR: Given that the press and television are largely in the hands of the state and criticism of the state is considered defamation (and leads to the arrest of press people), does the internet play a special role as a space for alternative media and political blogs? Are these prevalent and influential? 

VD: Yes, national TV is largely state owned and it was worse before the change in power. Now it seems to have improved. There are a series of smaller TV stations but these have reduced coverage - mostly in bigger cities. I understand that they've started rolling out IP TV with packages of 50+ TV channels - local and international. The national Telecoms operator provides very good Internet coverage. Dial-up Internet at reasonable prices is available everywhere in the country. Broadband availability even in rural areas is very good. And it's not too expensive. As to the role of Internet - indeed its influence is increasing. A series of media portals are frequented by many, including me. http://unimedia.md/; http://m.protv.md/; http://jurnaltv.md/; http://forum.md/to mention a few. The news here is conveyed tersely  but I do my own editorializing if need be. Also, I can read the comments if I want to get a feeling about how others feel about some specific event. 

SR: Can you tell us about some of the popular bloggers and blogging platforms in Moldova? Live Journal is popular in Russia; can the same be said of Moldova? 

VD: I'm not aware of any significant blogger, more so, political blogger. I'd say we still need to wait for someone whose commentary is mature enough for people to care about him or her... As to the platform - those blogging attempts that I've seen were indeed on major blogging portals like Live Journal. 

SR: What can you tell us about the presence of social media in Moldova? Does Moldova prefer its own versions of global digital platforms, or are FB, My Space, Twitter popular here?  What is the role of the diaspora in this space?

VD: Global platforms are widely used. There are a few Russian popular platforms in wide use too, such as odnoklassniki.ru. We have up to 1 million Moldovans working in European countries, Russia and other places, since the pay is significantly higher over there. These people left a few years back and most of them intend to return. And they, indeed, rely on the available platforms to relate back to relatives and friends

SR: Lastly, can you tell us about the linguistic landscape of Moldovan new media; I imagine the most widely used language on the internet is Moldovan/Romanian. Is Russian prevalent or is new media here a platform to assert their exclusive Moldovan identity? 

VD: The rules for language are that media should have at least 60-70% of content in "state" language and the law was often changed so that sometimes 'state language’ included Russian too.  In fact, in Moldova we are very comfortable with the Russian language, at least those a bit older (30+ years) since we were supposed to speak it well in the Soviet era.   

SR (with many thanks to Victor Diaconu and Sunil Abraham) 
 
 

May. 14th, 2010

Gedanken über den Tod unter völlig unpassenden Bedingungen

"Über den Tod habe ich zum ersten Mal unter völlig unpassenden Bedingungen nachgedacht. Ich war neun Jahre alt und verbrachte die Sommerferien bei meiner Tante auf dem Dorf. Ich saß also eines Abends dort und las ein Buch von Thor Heyerdahl, entweder Aku-Aku oder Kon-Tiki, und die Tante saß mir auf dem Bett gegenüber und schnitt sich die Fußnägel.

Ich ließ mich für eine Minute von meinem Buch ablenken und plötzlich kam mir der folgende Gedanke: „Eines Tages wird sie sterben“ (die Tante ist jetzt übrigens gut jenseits der Neunzig und bei guter Gesundheit, was ich ihr auch weiterhin wünsche). Nun, ich wusste natürlich schon früher, dass die Menschen sterben, wusste es aber irgendwie rein theoretisch. Sie sterben halt so irgendwo dort draußen, oder auch nicht. Was sich die Erwachsenen eben alles so ausdenken.

Aber plötzlich verstand ich, dass es die Wahrheit war: da sitzt, nehmen wir einmal an, die Tante, sitzt dort – und auf einmal, zack, ist sie tot.

Dieser Gedanke beeindruckte mich dermaßen, dass ich zwei Tage in solcher Erschütterung verbrachte, dass ich Zahnschmerzen bekam. Ein Zahn schmerzte die ganze Woche ohne Unterbrechung. Von Zeit zu Zeit stopfte man mir eine Tablette Analgin in den Mund, dann schmerzte der Zahn weniger, aber der Schmerz verging nicht, sondern versteckte sich nur hinter dem nächsten Zahn und ich konnte das schon nicht mehr unterscheiden – wo sitzt der Schmerz, wo der Tod.

Einige sagen, die Kindheit wäre eine glückliche Zeit. Sie haben ein Scheiß-Gedächtnis. Darum."
http://dimkin.livejournal.com/442119.html

Am 25. März ist der russische Autor, Illustrator und Blogger Dmitrij Gorchev selbst unter "völlig unpassenden Bedingungen" in seinem Haus im Dorf Gostilovo, Gouvernement Nevel, gestorben. Ich habe Dmitrijs Blog über Jahre mit professionellem Interesse und persönlicher Freude gelesen, immer wieder einzelne seiner Posts hier in unserem Blog übersetzt, die schräge Lakonie seiner Bemerkungen und Sprünge seiner Phantasie genießend. Dem Runet geht mit Dmitrij Gorchev eine der faszinierendsten Blogger-Persönlichkeiten verloren. In den über tausend Kommentaren zu seinem letzten Eintrag - wo kann man in St. Petersburg in Zeiten der allgegenwärtigen Digitalisierung noch einen Schwarz-Weiß-Film entwickeln lassen - nehmen seine "friends" Abschied von ihrem "country-blogger". Und auch ich kann/muss jenseits akademischer Reflexion spüren, wie persönlich nahe einem der Verlust einer Person gehen kann, die man außerhalb des Internet nie kennengelernt hat.

H.S.

Einige Übersetzungen von Texten Gorchevs ins Englische und Deutsche finden sich hier.

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