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Zimt zum Hören - Lyrik von Elin Rachnev im Netz

Zimt liegt dieser Tage ja quasi in der Weihnachtsluft ... "Zimt" heißt auch ein Gedichtzyklus von Elin Rachnev, bulgarischer Dichter und Dramaturg, der es mir auf Anhieb angetan hat (der Zyklus, nicht der Dichter ;)). Kann, darf, will heute noch klassische Liebeslyrik geschrieben und gelesen werden? Mit Zimt-Atem und silber schimmernden Tränen? Theoretisch würde ich das eher mit nein beantworten, im Falle Rachnevs aber mit einem mich selbst verblüffenden ja. Entsprechend habe ich mich ein bisschen ans experimentierende Übersetzen gegeben. Davon ein - sehr vorläufiges - Ergebnis:

ELIN RACHNEV
 
ZIMT
 
warum hast du dich betören lassen vom nektar der reime und
nachmittäglichen träumereien, dass er wie gaudi richte deine
schultern, wie sainte-chapelle das unvollendete, dass er deine
lippen lehre an den sorbonnen, dein lächeln aufschlage in den anthologien
dass er der hacker deines früheren lebens sei, dein sender mtv
 
wenn dir nach nichts ist, fühlt es sich nicht ein wenig unnütz
an, depeches einzige muse zu sein, und dass der zimt in deinem
atem anlass zu performances sei, dass der CV der Welt auf deiner
haut liegt, deine dessous sich über die kunst erheben … über die
wissenschaft, dass deine träne das ende der kunst deklariert, aber
 
was bedeutet es dir sag mir, dass ein elin sich entfernte von
allen lebenden, claquer deiner wimpern, doch auch des todes,
sich betrinkend mit sand, piaf und all den lieben. Nicht wissend
wo, nicht wer er ist … Warum glaubst du an porzellanene reime,
warum hast du ihn nicht sterben lassen in ihnen, nicht verlöschen,
 
vergehen lassen. Sag es mir, ich bitte dich, sag es mir…


Das Original ist natürlich vieelll schöner:

КАНЕЛА

защо остави се да бъдеш упоена в нектар от рими и
следобедни копнежи, по гауди да сравнява раменете
ти, по сент шапел несбъднатото, да преподава устните
ти по сорбоните, усмивката ти да отгръща в антологии,
да бъде хакер на живота ти предишен, да бъде vh.1

когато ти е нищо, не се ли чувстваш малко непотребна,
да бъдеш на депеш единствената муза, канелата в дъха ти
да е повод за пърформанси, сv-то на света да е за твойта
кожа, бельото ти над арта да издига... над науката, да
обяви сълзата ти за края на изкуството, но все пак за

какво ти е кажи ми, един елин отместил се встрани от
всички живи, клакьор на миглите ти, но и на смъртта,
напиващ се със санд, пиаф и други мили. Той нито знай
къде е, нито кой е ...Защо повярва в порцелановите рими,
защо не го остави вътре в тях да мре, да гаснe там, да

да гине. Кажи ми, моля те, кажи ми…

Weitere Texte von Rachnev und aus "Zimt" gibt es auf der - hier im Blog ja schon besprochenen - Website Liternet.bg. Und einen Auszug kann man sich, gelesen vom Autor, auch auf Dictum anhören. Letztere Site, mit dem programmatischen Titel "Die Literatur hat auch eine Stimme" sei im übrigen empfohlen für jeden, der sich bulgarische Literatur - und Kritik - gerne anhören mag.

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