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Sagen Sie "JA" zur kyrillischen Top-Level-Domain .RF! [Jun. 12th, 2008|03:01 pm]
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Über die mögliche Einführung kyrillischer Domain Names zum Sommer 2008 wird im RuNet seit dem vergangenen Winter spekuliert (vgl. unseren Eintrag vom 20.01.2008). Nun scheint sich eine Entscheidung anzubahnen. Gestern hat der russische Präsident Dmitriij Medvedev anläßlich des Tags der russischen Presse verlauten lassen, er unterstütze die Einführung des Kürzels RF / РФ:

"Wir müssen alles von uns Abhängende dafür tun, um die Einführung kyrillischer Domain Names zu erreichen. Das ist die symbolische Bedeutung der russischen Sprache, und wir haben keine schlechten Chancen eine solche Entscheidung herbeizuführen."

"Мы должны сделать все от нас зависящее, чтобы добиться присвоения доменных имен на кириллице. Это символическая значимость русского языка, и у нас неплохие шансы добиться соответствующего решения". 

Für die Diskutanten im Forum der Internet-Zeitschrift Webplaneta ist die Sache damit geritzt, denn ein Projekt mit der Unterstützung des russischen Präsidenten erfülle sich quasi von selbst. 

Formal allerdings wird die Entscheidung von der internationalen Organisation zur Vergabe der Domain Names ICANN  (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) getroffen. Und bezieht sich selbstredend nicht alleine auf das kyrillische Alphabet, sondern auch auf andere nicht-lateinische Schriften wie Arabisch oder Chinesisch. Internationalized Domain names oder IDN ist der englische Terminus.

Zwecks Unterstützung des russischen Anliegens bei der ICANN werden im RuNet eifrig Stimmen in virtuellen Petitionen gesammelt, so auf der Site von Ru-Centr. Unter dem nicht gerade subtilen Slogan "Unterstütze Russland. Stimme für RF" werden die folgenden, nicht weniger gradlinigen Fragen gestellt:

- Wollen Sie, dass Russland seine Position unter den führenden Internet-Mächten ausbaut?
- Wollen Sie, dass die Präsenz der russischen Sprache im WWW ausgeweitet wird?
- Ist es Ihnen angenehmer, Internet-Adressen auf russisch zu tippen?

Sagen Sie "JA" zur kyrillischen Top-Level-Domain .RF!

"- Вы хотите, чтобы Россия укрепила свои позиции в списке лидирующих интернет-держав? 
- Вы за то, чтобы присутствие русского языка во Всемирной Паутине расширялось?
- Вам удобнее набирать интернет-адреса на русском?

Скажите «ДА» кириллическому домену верхнего уровня .РФ! "

Supermacht-Status lässt sich, zumindestens im Internet, schnell wieder avisieren. Kritische Stimmen bleiben da eher ungehört. Sie weisen darauf hin, dass die Einführung der Domain RF primär ein gutes Geschäft ist, denn jede Firma müsse ihre virtuelle Repräsentanz unter der neuen Adresse gegen Squotter sichern - ein einträgliches Geschäft - für die Registratoren. Doch auch Spekulationen politischer Art werden geäußert. Die Einführung der neuen Adressen führe letztendlich zu einer "Isolation des Runet vom Westen", wie Kdid im Forum vermutet:

"Wer braucht schon diese Domain .rf außer ungebildeten Beamten, die den Computer kaum nutzen können und den Registratoren [der neuen Adressen, H.S.]) Das ist der immer wieder kehrende Versuch Russland vom Westen und dem Rest der Welt zu isolieren. Wie in China wird es ein eigenes nationales Netz geben."

"Кому этот .рф нужен кроме безграмотных чиновников, которые компом пользоваться толком не умеют да регистраторов? Очередная попытка изолирования России от Запада и всего остального мира. Будет как в КНДР своя национальная сеть."


H.S.

Links:
http://info.nic.ru/st/66/out_2050.shtml
http://www.za-rf.ru/
http://www.webplanet.ru/interview/life/2008/06/10/rf_vote.html
http://www.webplanet.ru/interview/life/2008/06/03/comments/rf_vote.html#comment-143051
http://www.icann.org/topics/idn/

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Duma verabschiedet Gesetz gegen Verleumdung in den Medien [Apr. 25th, 2008|12:12 pm]
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Die Russische Staatsduma hat an diesem Freitag in erster Lesung eine Änderung zum Gesetz "Über die Massenmedien" verabschiedet.  Künftig können damit Massenmedien (russ. SMI = Sredstva massovoj informacii) per Gerichtsanordnung 'geschlossen' werden, wenn sie vorsätzlich lügenhafte und unwahre Behauptungen verbreiten oder die Reputation einer dritten Person beschädigen.

Ein gerichtliches Vorgehen gegen Verleumdung in den Massenmedien ist bereits nach der aktuellen Gesetzeslage möglich. Bisher bezog sich dies jedoch ausschließlich auf den Autor des inkriminierten Texts, während künftig die Redaktion und der Herausgeber in Haftung genommen werden sollen. 

Initiator der Gesetzesänderung ist der Duma-Abgeordnete Robert Schlegel, der früher der Putin-Jugendbewegung "Nashi" (Unsere) angehörte. Auf Nachfragen russischer Journalisten betont Schlegel, das Gesetz sei nicht gegen kritische Berichterstattung gerichtet, sondern wende sich primär gegen die Exzesse der "yellow press".

Wie Gazeta.ru berichtet, war das Gesetzesvorhaben noch im Januar bei den Duma-Kollegen Schlegels auf Skepsis gestoßen. Den jüngsten Stimmungsumschung unter den Parlamentariern erklärt der Gazeta-Autor Il'ja Azar mit dem Umstand, dass es dem "Ex-Nashisten" offensichtlich gelungen sei, sich der Unterstützung der Kremľ-Administration zu vergewissern.

Im Forum der regierungskritischen Web-Zeitschrift "Grani.ru" hat die legislative Initiative schon einen prägnanten "Spitznamen" erhalten - "Gesetzesänderung Putin-Kabaeva" ("поправка Путина-Кабаевой"). Die Diskutanten im Forum stellen damit einen direkten Bezug her zum aktuellen Medienskandal um die angeblichen Heiratspläne Vladimir Putins und der russischen Kunstturnerin und Olympiasiegerin Alina Kabaeva.

Links: http://www.gazeta.ru/politics/2008/04/24_a_2705937.shtml
http://www.lenta.ru/news/2008/04/25/smi/
http://www.grani.ru/Society/Law/m.136028.html
http://www.grani.ru/Society/Law/d.136028.html

 

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630 virtuelle Medvedevs und ein echter Präsident auf dem Russischen Internet Forum [Apr. 4th, 2008|11:32 am]
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Präsident in spe Dmitrij Medvedev nutzte seinen Besuch auf dem Russischen Internet Forum (siehe Blog-Eintrag vom 31.03.) für eine Reihe von Statements zu seiner Sicht auf das Internet. Von Meinungsfreiheit über Bildungsressourcen im Web bishin zu seinen persönlichen Vorlieben beim Surfen reichte das Spektrum der Themen. So appellierte der zukünftige Staatschef an die UserInnen, das Internet nicht als einen rechtsfreien Raum zu verstehen - eine Fortsetzung seiner direkt nach der Wahl begonnen Kampagne zur Etablierung eines neuen Rechtsbewusstseins im Lande? Darüber hinaus gelte es eine Überregulierung des russländischen Segments des Internet zu vermeiden, assistierte der Minister für Informationstechnologie und Kommunikation Leonid Reiman. Von besonderem Interesse ist in diesem Zusammenhang die Aussage beider Politiker, der ökonomisch wichtige Bereich des Webhosting und der Provider werde doch nicht als strategischer Industriezweig von nationaler Bedeutung eingestuft, was in der Konsequenz die Einschränkung von ausländischen Investitionen bedeutet hätte. Medvedev wendete sich auch gegen eine zu starke Regulierung der Internet-Inhalte, die in den Schulen zugänglich sein sollen. Es gelte einen Ausgleich zwischen Filterung der Inhalte und der Entwicklung von individueller Medienkompetenz zu finden. Ein säuberlich gefiltertes Angebot sei "schon kein Internet mehr".  Schließlich offenbarte Medvedev seine Sympathie für die auch in Russland sehr populären sozialen Netzwerke, etwa www.odnoklassniki.ru (Schulkameraden), wo er unlängst 630 seiner virtuellen Doppelgänger angetroffen habe, von denen ihm einige wie aus dem Gesicht geschnitten seien. Die Charme-Offensive des zukünftigen Präsidenten gegenüber der strategisch wichtigen Gesellschaftschicht und Wählerschaft im Internet setzt sich offensichtlich fort.

Auf Interesse der russischen NutzerInnen in den Regionen dürfte in diesem Zusammenhang die Aufforderung Medvedevs gestoßen sein, die "digitale Spaltung" zwischen Zentrum und Provinz zu überwinden. Diese liege nicht zuletzt in den unterschiedlichen Kosten für Internet-Dienstleistungen begründet. So sei die Nutzung des Internet im sibirischen Krasnojarsk bis zu sechs mal teurer als in Moskau, das ansonsten nicht unbedingt für seine niedrigen Preise bekannt ist.

Den noch etwas verschwiemelten Charme der Internet-Cafés in Sibirien haben wir selbst bei einer Erkundungsreise nach 'Cyberia' im Jahr 2005 bewundern können - hier im Bild der in Himmelblau gehaltene Eingang zu einem Internet-Klub mit dem programmatischen Namen "Paradox".



Sollte der digitale divide zwischen Peripherie und Zentrum dank Dmitrij Anatol'evich in der Tat überwunden werden, hängt dann vielleicht bald sein Porträt in diesem Internet-Café in Novosibirsk.




Links: http://www.rian.ru/review/20080403/102912778.html
http://www.webplanet.ru/news/life/2008/04/03/prezident_rif.html

H.S.
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(B)Logged Out: Savva Terentiev Sent To Court [Mar. 14th, 2008|10:55 am]
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Imagine: you are a local police officer, or rather police team – why not. You have just been criticized rather nastily by a 20-something in a blog entry. What do you do? Well, you wouldn’t even notice because you don’t bother to check blogs, right? Wrong. At least when we’re talking about the regional authorities of the north-Russian city of Syvtykar.

On this LiveJournal blog, 22-year old musician Savva Terentiev decried Syvtykar’s militsiia in February 2007 for measures taken against the local oppositional press. Gripped by the event, Terentiev didn’t take recourse to the friendliest possible terms: he proposed to regularly ‘set a bad cop on fire’ on the main square of every Russian city. The comment was recalled later, but by then the damage had been done: in August, Terentiev was charged with inciting hatred against public authorities. This week, prosecutors announced that he is sent to court, facing up to 2 years in prison or an 8.000 EU fine.

Based on a controversial law against publicly inciting hatred, Terentiev’s is not only a sad case, but also a theoretically challenging one. Linguistic experts have been asked to prove that he sought to ‘incite hatred and enmity’ – and that he did so ‘publicly, using mass media’.

The latter claim evokes complex questions. Can an online journal be considered a mass medium? Is a blog entry more public than a conversation on a street corner? Who decides how a blog should be defined media-theoretically?

For Live Journal topman Anton Nosik, the answers are crystal clear. ‘A weblog is no mass medium. It is created to exchange opinions [...]. Arresting someone for a remark on a weblog is like arresting a person who expresses his opinion in a city bus.’ Whether the linguists in court will nod at that remains to be seen though. The oppositional and international press seems to agree on one thing: the Terentiev case is the first Russian prosecution of a critical blogger. Not surprisingly, speculations prosper as to whether this sets a precedent for freedom of speech limitations on the RuNet.

Starting from last Wednesday, Terentiev's case is discussed in a growing number of Russian and international media - below are merely three links to which this entry refers:

http://www.moscowtimes.ru/stories/2008/03/13/014.html

http://www.kommersant.com/p866185/r_530/freedom_of_speech/

http://www.nrc.nl/buitenland/article972180.ece/

ER

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eMarketer: 'Russian Online Population Explosion' [Feb. 7th, 2008|04:49 pm]
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According to market research company eMarketer, the amount of Russian Internet users will have crept up to more than 40 million by the end of this year. This would make Russia the second-largest Internet market in Europe, with a user percentage of around thirty percent.

If one must believe the eMarketer researchers, Russia’s ‘online population explosion’ will not halt by the end of 2008. They predict that towards 2012, 43 percent of Russians will use the Internet. Neither does eMarketer point exclusively to Russia as a location for potential growth. If Internet usage in, e.g., Holland and Scandinavia has reached usage saturation, then ‘Russia, Poland and the other Eastern European countries are the growth drivers for Internet adoption in Europe’ - thus senior analyst Ben Macklin.

Want to know more? eMarketer’s site offers a brief article on the new Russian data, including graphics and comparisons with the findings of other research institutions. The item can be found here.

ER

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Abschied von .ru? [Jan. 20th, 2008|10:46 pm]
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Für das Jahr 2008 erwarten Experten die Einführung der kyrillischen nationalen Domaine РФ (RF = Russische Föderation). Damit vollzöge sich eine stetige Weiterentwicklung des Internet weltweit hin zu den jeweiligen Nationalsprachen und Alphabeten. Neben .ru und .su, dem virtuellen Überbleibsel der Sowjetunion, stünde den russischen Internet-Nutzern damit eine dritte Alternative zwecks Adressierung ihres digitalen Zuhauses zur Verfügung. Sprachspielerisch werden die Möglichkeiten durch das sperrige Kürzel rf. hingegen wohl eher eingeschränkt. Das ist auch einigen der ästhetisch sensiblen russischen User unangenehm aufgefallen, die zudem der Meinung sind, dass es sich bei der Neuerung primär um einen Marketing-Trick der zuständigen Registrierungsbehörde handele:

"RF - das ist totaler unfug. im mindesten klingt es nicht. und gewichtige gründe für die einführung noch einer nationalen domaine gibt es nicht. alle unterstützen es allein aus dem grund, dass die registratoren damit einen haufen geld machen (viele werden ganz einfach genötigt sein, eine domaine in der zone rf. zu registrieren, wenn sie schon eine adresse unter .ru haben)"

".РФ - полный бред. это как минимум не звучит. а весомых причин для ввода еще одного национального домена нет. все поддерживают, потому что регистраторы срубят на этом кучу денег (многие просто вынуждены будут зарегистрировать домен в зоне .рф, если у них есть в .ru)"

Links: http://net.compulenta.ru/343743/
Graphik: http://www.softnavigator.ru/news/ 

H.S.
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Digital Palmistry With Mironov & Lebedev [Jan. 10th, 2008|01:08 pm]
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'What Awaits the RuNet in 2008?' Thus sounds the promising title of an online conference held recently by Lenta.Ru. Its concept was simple: readers could ask questions online, which were answered by RuNet specialists Andrei Mironov and Sergei Lebedev.
So what does await RuNet the coming year? Most of all, Mironov and Lebedev are busy invalidating the usual fearful rumors: no, electronic libraries will not be dissolved, author's rights are not under any more threat than last year, and no, the notorious new Civil Code's Section Four - which deals with issues of intellectual property - will not endanger freedom of speech on the Russian Internet. In short, to quote Sergei Lebedev, 'the internet community [...] will not be subject to any changes in the near future.'

'Not subject to any changes': if critical at times, then most of Mironov's and Lebedev's 'digital palmistry' is near-eerily reassuring, and whether it will comply with unpredictable virtual reality remains to be seen. Still the conference link is worth browsing through - if only for the comic snapping and growling to which the specialists subside when having to answer yet one more irksome question about author's rights and illegal downloading.

http://www.lenta.ru/conf/gk/

ER
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