January 15th, 2011

Schenken, kaufen, abonnieren. Russische e-books

Vielleicht war es ein kleines Dankeschön für die Weihnachtsgeschenke, die ich meinen Lieblingsautoren gemacht habe, es lag jedenfalls unter meinem Tannenbaum ein silberglänzender e-book-Reader der Marke Sony PRS-600 Touch Edition. Schon länger wollte ich mich der elektronischen Lektüre widmen, war aber immer zu faul, mich um den Kauf eines entsprechenden Geräts zu kümmern. Ausnahmsweise wurde meine Faulheit in diesem Punkt also belohnt.

Nun gilt es also den russischen e-book-Markt zu erschließen. Das erste Exemplar für die digitale Bibliothek ist erworben - die neue Erzählung von Evgenij Griškovec "A...."  (Ja, genau das Buch, für das ich auf Kroogi.ru schon gespendet habe. Aus Vergleichsgründen und der wissenschaftlichen Neugier halber). Erworben habe ich das Buch (den Text? die Datei?) jetzt bei LitRes.ru, dem nach eigenen Angaben größten "Distributor" für elektronische Bücher in russischer Sprache.



Problemlos registriert, mit Kreditkarte bezahlt, im Format .epub runtergeladen, schon auf den Reader überspielt, geöffnet und angelesen. Alles geklappt. Ich bin froh. Gekostet hat mich der Spaß knappe 3 Euro, was erstaunlicherweise noch ein bisschen unter der geforderten Mindestspende für den gleichen Text auf Kroogi liegt. So richtig habe ich den Unterschied zwischen den Geschäftsmodellen wohl noch nicht verstanden.

Vorbeigeschaut habe ich im übrigen auch bei den (ehemaligen) russischen Piraten in Equador, bei der Bibliothek Librusek, deren Bibliothekar und Server sich außerhalb der russischen Landesgrenzen - und Copyright-Regelungen - befinden. Hier gibt's die Griškovecsche Novelle kostenfrei zur Lektüre am Bildschirm (wie bei LitRes im übrigen auch).

Wer sich das Buch downloaden will, muss aber gleichfalls zahlen. Allerdings ist hier das Modell ein anderes: Wer will, zahlt in Sachleistungen, sprich: stellt selber e-books zur Verfügung oder liest bereits vorhandene Texte Korrektur. Wer der Bibliothek keinen "aktiven Nutzen" bringen mag oder kann, zahlt einen Abonnementspreis für wahlweise eine Woche, einen Monat oder ein Jahr. Der Preis für eine "Monatskarte" beläuft sich aktuell auf circa 10 Dollar. Wer viel liest respektive downloadet, steht sich da finanziell besser. Wenn auch nach wie vor am Rande der Legalität. Die streben der ehemalige Piratenservice und sein 'Kapitän' Il'ja Larin nach zahlreichen DoS-Attacken und juristischen Auseinandersetzungen allerdings durchaus an. Ungeachtet ihres nach wie vor schreckenerregenden Images sind auch die russischen Copyright-Piraten nicht mehr das, was sie mal waren.

H.S.