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LiterNet - Portal, Bibliothek und Markt für bulgarische Bücher

Bulgarische e-books bietet auch die Literatur-Website LiterNet an, allerdings ausschließlich im Web-Format und ohne Möglichkeit zum Download oder der Lektüre an einem elektronischen Lesegerät. Dafür ist die Anzahl der zur Verfügung stehenden Texte mit rund 50.000 Werken von circa 2.700 Autorinnen und Autoren ungleich größer. Und ihre Nutzung kostenlos.



Der Schwerpunkt liegt im Bereich der Belletristik. Neben bulgarischen Autor/innen wird auch das Werk ausländischer Literat/innen in Übersetzungen präsentiert, jeweils mit Kurz-Biographie, ausgewählten Werken im Original und/oder Übertragung sowie ergänzt durch literaturkritische Sekundärliteratur. Zu den aus dem Russischen übersetzten Lyrikern gehört zu meiner persönlichen Freude der Neo-Avantgardist und Post-Dadaist Sergej Birjukov, dessen Texte ich teils selbst ins Deutsche übertragen habe. Die bulgarischen Versionen stammen von Rumen Šomov. Auch Sound-Poetry verlangt ja interessanterweise nach Übersetzung ;). Šomov selbst ist als Dramatiker, Lyriker und Übersetzer auf LiterNet präsent. Ich selber habe leider noch nichts von ihm gelesen, finde allerdings bereits den Titel seiner Tragikomödie „Der schöne Flavio Briatore in der Krise“ ziemlich verlockend.

Die Palette der auf LiterNet angebotenen Texte reicht von Klassikern der bulgarischen Literatur wie dem revolutionären Dichter Christo Botev über den modernen Mystifikator Penčo Slavejkov bis hin zu den zeitgenössischen Postmodernisten wie Ani Ilkov oder Georgi Gospodinov. Auch die Literatinnen sind prominent vertreten, von der Muse der Moderne, Elisaveta Bagrjana, bis zur „einsamen Spielerin“ im Hier und Heute, Mirela Ivanova („samotna igra“ = „einsames Spiel“, so der Titel einer ihrer Gedichtbände).

Bezüglich der Auswahl der Autor/innen und der Kriterien für die Publikation der Texte gab es unlängst allerdings durchaus ein wenig Knatsch. Erstens zahlen die Autor/innen selbst für die Publikation solcher Werke, die nicht als Einzel-Texte auf der Website platziert sondern als e-books mit ISBN-Nummer veröffentlicht werden. Und zweitens hatte der Chef-Redakteur von LiterNet, Georgi Čorbanov, andere literarische Ressourcen des bulgarischen Internet dadurch verprellt, dass er diese als „Selbstpublikationsforen’ bezeichnete. Und damit aus deren Sicht diskredierte. Die sich im Anschluss entfaltenden Diskussion um die Verwechslung von

Amateur und Profi, Graphomanie und echtem Werk, Komplex und Normalität, Aggression und Aufrichtigkeit, Kritiklosigkeit und Selbstkritik, Selbstlob und nüchterner Selbsteinschätzung, freundschaftlichem Schulterklopfen und Anerkennung

аматьорското с професионалното, графоманското с ценностното, комплексарското с нормалното, агресията с добронамереността, безкритичността със самокритичността, самопохвалването с трезвата самопреценка, приятелското потупване с признанието..

kommt mir doch sehr bekannt vor – (nicht nur) aus dem RuNet, wo die Beschuldigung der Graphomanie symbolischer Höchststrafe gleichkommt.

Neben der nach Autor/innen-Namen geordneten Bibliothek weist das „Spezial-Portal“ („specializiran portal) LiterNet noch eine Reihe von anderen Projekten und Rubriken auf, so die gleichnamige elektronische Literaturzeitschrift, die monatlich erscheint. Besonders gut gefällt mir der elektronische „Bücher-Markt“ („knižen pazar“), auf dem ‚überflüssige’ und ‚ausgelesen’ Bücher verkauft, aber auch an andere Leser/innen verschenkt werden können. Ein bisschen irritiert auf diesem digitalen Marktplatz allerdings die zu prominent platzierte Schuh-Reklame, die mir hartnäckig die modische Entgleisung der crocs anbietet. Und das auch noch in Rosa.

H.S.

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